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Zwangsstörungen – Neue Erkenntnisse über Therapieverfahren

Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass die Alternativtherapie bei Zwangsstörungen, die Kombination von SSRI und Antipsychotika, die nach dem Versagen der herkömmlichen SSRI-Behandlung zum Einsatz kommt, erfolglos ist.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass die Alternativtherapie bei Zwangsstörungen, die Kombination von SSRI und Antipsychotika, die nach dem Versagen der herkömmlichen SSRI-Behandlung zum Einsatz kommt, erfolglos ist.

Deutschlandweit leiden über 1 Millionen Menschen an Zwangsstörungen, die meist zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr auftreten und Folge einer schwerwiegenden Krise sein können. Die Krankheit definiert sich durch nicht zu ignorierende Gedanken oder Handlungen, die den gesamten Alltag des Patienten bestimmen können. So nehmen diese bei äußert schwierigen Krankheitsfällen bis zu 12 Stunden des Tages in Anspruch, wodurch die Betroffenen nicht selten in eine Art Isolation geraten. Unterschieden wird in Zwangsgedanken, also zB. Sorgen um die eigene Gesundheit, Zwangshandlungen wie ein Waschzwang oder Zwangsimpulse, bei denen sich die Betroffenen selbst oder andere verletzen müssen. Verursacht wird das Leiden neben psychologischen Faktoren durch Überfunktionen in gewissen Hirnregionen, jene Auswirkungen auf das Serotonin, einen Botenstoff des Gehirns haben. Frauen und Männer sind zwar gleichermaßen von der Krankheit betroffen, jedoch leiden Männer häufiger unter einem Kontroll- und Ordnungszwang, während Frauen den Zwang verspüren, sich häufig und nach bestimmten Abläufen zu waschen.

Bislang wird in der Leitlinie für Zwangsstörungen empfohlen, die Patienten zunächst mit Serotonin- Wiederaufnahmehemmern (selektiv Serotonin-Reuptake-Inhibitoren, SSRI) zu behandeln. Sie gehören zu den Wirkstoffen der Antidepressiva und werden unter anderem auch in der Bulimie-Therapie eingesetzt. Die wichtigsten Vertreter sind neben Fluvoxamin und Paroxetin auch Fluoxetin, Escitalopram , Sertralin und Citalopram. Können die Symptome mittels dieser SSRI-Therapie allerdings nicht ausreichend geschwächt werden, wird die medikamentöse Behandlung durch die zusätzliche Gabe eines Antipsychiotika verstärkt.

Um die Effektivität der Alternativtherapie zu untersuchen, führte ein Wissenschaftlerteam der Columbia University in New York, unter der Führung von Helen B. Simpson eine randomisierte klinische Studie durch. Hierzu wurden die 100 Teilnehmer, die unter verschiedenartigen Zwangsstörungen leiden, jene durch die konventionelle Behandlung nicht vollständig einzudämmen waren, in drei Gruppen eingeteilt. Während die 1.Gruppe über 8 Wochen die alternative Therapie mit dem Zusatz von Risperidon erhielt und die 2.Gruppe mit SSRI und einer kognitiven Verhaltenstherapie, der Exposure and Ritual Prevention (EX/RP) behandelt wurde, bei denen die Teilnehmer 2x die Woche u.a. mit ihren Ängsten konfrontiert wurden, wurde die 3.Gruppe lediglich mit SSRI und einem Placebo-Medikament therapiert.
Die Auswertung der Ergebnisse ergab, dass die bisher als vielversprechend angesehene Therapie von SSRI und einem Antipsychotika, in diesem Fall Risperidon (Gruppe 1), im direkten Vergleich mit der Placebo-Gruppe keine wesentliche Erfolge erzielen konnte und somit beinahe wirkungslos war. Bei der Gruppe, die in Kombination die Psychotherapie erhielt, konnten hingegen äußerst positive Ergebnisse registriert werden. So verminderte sich nämlich der Schweregrad der Zwangsstörungen (Yale-Brown Obsessiv Compulsive Scale, Y-BOCS) entscheidend.
Die Studienergebnisse stellen somit die Zweit-Therapie in Frage.

Die detaillierte Studie wurde in dem Fachmagazin „JAMA Psychiatry“ veröffentlicht.