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Menschen mit pädophiler Neigung missbrauchen nicht automatisch Kinder

Zahlreiche Mädchen und Jungen sind sexueller Gewalt ausgesetzt. Immer wieder werden abertausende von Fällen bekannt, jedoch befindet sich die Dunkelziffer der nicht bekannten Fälle in einem schätzungsweise weitaus höherem Bereich.

Zahlreiche Mädchen und Jungen sind sexueller Gewalt ausgesetzt. Immer wieder werden abertausende von Fällen bekannt, jedoch befindet sich die Dunkelziffer der nicht bekannten Fälle in einem schätzungsweise weitaus höherem Bereich.

Anhand von unterschiedlichen Stimulusmaterialien die bestimmte Hirnregionen aktivieren, lässt sich erkennen ob ein Mensch pädophile Neigungen hat oder nicht. Vom Befund ausgehend, lässt sich jedoch nicht automatisch auf die verminderte Verhaltenskontrolle einiger Pädophiler schließen. Der NeMUP – Forschungsverbund konnte feststellen, dass die neuen Ergebnisse von Männern mit pädophiler Neigung, die zu Tätern werden, charakteristische neurobiologische Veränderungen aufweisen. Diese Erkenntnis ist einer der wichtigsten, die während der dreijährigen Studie erfasst werden konnte.

Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern und Universitäten untersuchten seit Mai 2012 rund 240 Männer, von denen ein Teil mit einem bereits erfolgten Kindesmissbrauch in Verbindung gesetzt werden konnte, ein weiterer Teil seine Sexualität unter Kontrolle hatte und noch eine weitere Gruppe, die ohne jegliche pädophile Neigung getestet werden konnte.

Klaus Beier, Direktor des Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité erklärte, dass die Erkenntnisse der dreijährigen Forschungsarbeit die These bestätigt, dass eine pädophile Neigung nicht mit dem Missbrauch von Kindern gleichzusetzen ist. Pädophilie sei ein besonderer Zustand im Gehirn, der nicht pathologisch, sondern eine bestimmte sexuelle Neigung ist.
Zuständig für die Verhaltenskontrolle ist eine bestimmte Region in Hirn, welche besonders interessant für die Risikoeinschätzung ist. Man gewann die Erkenntnis, dass diese Regionen des Hirns beeinflussbar sein müssten. Das biete eine gute Aussicht für Objektivarbeiten von Therapieeffekten mittels neurobiologischer Marker.

„Pädophile, die zum Täter wurden, waren im Durchschnitt sechs Jahre älter als Pädo­phile, die keine Kinder missbraucht hatten“, sagt Tillmann Krüger, Oberarzt an der medizinischen Hochschule Hannover. Die Rate der Männer, die an Depressionen, Angst-, sowie Persönlichkeitsstörungen und sexuelle Dysfunktion litten, war deutlich höher. „Die meisten hatten keine einfache Lebensgeschichte und waren in der Kindheit emotionaler Vernachlässigung ausgesetzt“, gibt Krüger zu bedenken.

Dieses vom Bundesministerium geförderte Projekt kooperiert mit dem Präventionswerk „Kein Täter werden“.

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