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Bluttest soll Suizid-Risiko vorhersagen

Die Selbstmordrate weltweit steigt stetig an. 5 Prozent der Weltbevölkerung versuchen mindestens ein Mal sich das Leben zu nehmen. So sterben bereits jetzt laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich mehr als 1 Million Menschen.

Die Selbstmordrate weltweit steigt stetig an. 5 Prozent der Weltbevölkerung versuchen mindestens ein Mal sich das Leben zu nehmen. So sterben bereits jetzt laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich mehr als 1 Million Menschen.

Vergangenes Jahr starben mehr Menschen durch einen Selbstmord, als durch Kriege oder andere Verletzungstode, wie zum Beispiel Verkehrsunfälle. Exakt heißt dass, dass sich alle 40 Sekunden ein Mensch auf der Welt das Leben nimmt und auf jeden erfolgreich durchgeführten Suizid zwischen 8 und 10 Selbstmord-Versuche kommen.
Deutlich wird diese Dramatik unter Betrachtung der Daten aus Pakistan. Dort töteten sich in den vergangenen zwölf Jahren rund 32.762 Menschen und auch in den USA stieg die Suizid-Rate innerhalb der Jahre 2000 und 2009 um 15 Prozent. 2009 nahmen sich entsprechend 37.000 Amerikaner das Leben.
Der Grund oder die Gründe für einen Suizid reichen meist von allgemeiner Unzufriedenheit, nicht verkrafteten Schicksalsschlägen und Drogenabhängigkeit, bis zu dem Todeswunsch aufgrund einer bipolaren psychischen Störung.
Für letztere Gruppe gilt ein besonders hohes Selbstmordrisiko. Da die meisten Patienten, die in psychiatrischer Behandlung sind, sich allerdings nie offen zu ihren Selbstmordgedanken bekennen würden, ist das Risiko im Einzelfall bislang nicht zu bestimmen gewesen.

Aus diesem Grund beschäftigten sich nun Wissenschaftler der Indiana University in Indianapolis mit der Entwicklung eines Bluttests, der das Selbstmordrisiko für jedes Individuum bestimmen soll.
Für die Untersuchung, die drei Jahre dauerte, entnahmen die Forscher von insgesamt vier Männer-Gruppen Blutproben. Ausgangspunkt war hierbei die Blutentnahme der ersten Gruppe, zu der neun Männer mit einer bipolaren Störung gehörten. Ihnen wurde Blut sowohl in einer Zeit mit starken Selbstmordgedanken entnommen, als auch in einer Zeitspanne, in der die Männer sich in einer positiveren Stimmungslage befanden. Als die deren Werte miteinander verglichen wurden kristallisierten sich sehr große Unterschiede bezüglich der Aktivität von 41 Genen heraus.
Um dies Disparität verstehen und einschätzen zu können, wurden diese ersten Ergebnisse mit den Blutproben der zweiten Männergruppe verglichen, jene sich aus männlichen Selbstmordpatienten zusammenstellte. Dieser Vergleich zeigte noch deutlichere Unterschiede bei 13 dieser 41 Gene auf. Dieser Unterschied bei der Aktivität der 13 Gene konnte mit den Blutproben der dritten Männergruppe, zu der 42 Männer mit einer bipolaren Störung gehörten, nicht nur bekräftigt, sondern auch noch präzisiert werden, da vier Gene diesbezüglich besonders hervorstachen.
Bei Bluttests der vierten und somit letzten 46-köpfigen Männer-Gruppe, die alle an Schizophrenie leiden, ergaben ähnliche Resultate.

Durch den genetischen Bluttest ist es folglich gelungen, mit Hilfe stark veränderte Aktivitäts-Werten gewisser Gene in den Blutzellen zu erkennen, ob Menschen mit einer bipolaren Störung selbstmordgefährdet sind, oder nicht. Folglich können biochemische Reaktionen in der Kombination mit Stress, Entzündungen und programmiertem Zelltod für den Selbstmordwunsch verantwortlich sein.
Diese Ergebnisse können nicht nur dazu beitragen, den genauen biologischen Mechanismus, der einem Selbstmord vorausgeht, zu verstehen, sondern auch Selbstmordgedanken eines Patienten frühzeitig zu erkennen, um das Übel zu verhindern.

Veröffentlicht wurde die detaillierte Studie in der „Molecular Psychiatry“.